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Für den heutigen Tag hatte ich keine besonderen Pläne und dementsprechend unspektakulär verlief er auch. Nach der Schule habe ich die Zeit genutzt und einige Telefonate gen Heimat geführt, die fast alle geschäftlicher Natur waren. Ich muß auch an dieser Stelle nochmal festhalten, daß ich wirklich froh bin, mich bereits vor meiner Abreise aus Deutschland um eine iranische SIM-Karte gekümmert zu haben. Gerade als Ausländer hat man es mit eigenem Telefon deutlich einfacher.
Um im Iran mobil zu telefonieren, gibt es – wie auch in anderen Ländern – prinzipiell zwei Möglichkeiten: Sofern der eigene Netzbetreiber eine Auslandsfreischaltung mit einem iranischen Mobilfunkanbieter hat, funktioniert das eigene Telefon unverändert auch dort. Einfach einschalten, einbuchen und schon ist man unter der eigenen Nummer erreichbar. Das ist zwar sehr bequem, aber auch sehr teuer. Und das nicht nur, wenn man anruft, sondern vor allem auch dann, wenn man angerufen wird.
Denn es ist bei Mobiltelefonaten generell so, daß der Anrufer immer nur den Kostenanteil im Heimatnetz übernimmt (da er ja nicht wissen kann, wo sich der Angerufene gerade befindet). Wenn man sich also mit seinem Telefon im Ausland befindet, zahlt man wirklich für jede Gesprächsminute, ganz gleich in welche Richtung. Zwischen Deutschland und Iran hätte mich das etwa einen Euro pro Minute für ausgehende und etwa zwei Euro pro Minute für eingehende Telefonate gekostet. Und bedeutet, daß mich bereits eine Woche Telefonieren deutlich mehr als Hin- und Rückflug zusammen gekostet hätten. Kein Witz!
Die bessere Wahl war also, daß ich zwar mein Telefon mitbringe, das aber vor Ort mit einer iranischen SIM-Karte füttere. Im Iran hat sich ebenfalls der GSM-Standard durchgesetzt, so daß alle bei uns funktionierenden Mobiltelefone auch dort ohne Schwierigkeiten eingesetzt werden können. Gefunkt wird auf 900 und 1800 MHz, was hierzulande dem D- und dem E-Netz entspricht. Da die Mobiltelefonie im Iran relativ jung ist, weist die Netzkarte insbesondere in ländlichen Gegenden noch viele weiße Flecken auf.
Der gesamte iranische Mobilfunkmarkt ist allerdings stark am expandieren und hat sich innerhalb des letzten Jahres fast verdoppelt. Marktführer ist derzeit die staatliche TCI (Telecommunication Company of Iran) mit rund 13 Millionen Teilnehmern, gefolgt von Taliya mit etwa 500.000 und MTN Irancell mit ungefähr 150.000 Kunden.
Prinzipiell haben Neukunden genau wie bei uns die Wahl zwischen einem Festvertrag mit monatlicher Grundgebühr und einer Guthabenkarte, die aufgeladen werden muß, wenn das Guthaben verbraucht ist. Für Touristen und andere Besucher ohne festen Wohnsitz im Iran kommt aber aus praktischen Gründen eigentlich immer nur die zweite Option in Frage. Um loszulegen, benötigt man ein Startpaket der jeweiligen Telefongesellschaft, das in Telefonläden und teilweise auch an sehr dubiosen Orten erworben werden kann. Enthalten sind neben der obligatorischen SIM-Karte und einem Anmeldeformular (deshalb Reisepaß mitnehmen!) auch ein Anfangsguthaben und diverse Instruktionen in persisch und englisch.
Da ich während meiner Zeit hier aus geschäftlichen Gründen erreichbar sein muß, haben nette Menschen mir bereits vor meiner Ankunft eine Telefonnummer und SIM-Karte organisiert. Dadurch bin ich ohne mein Zutun bei Taliya gelandet und bislang auch sehr zufrieden. Die Geprächsqualität ist gut, die Erreichbarkeit in Teheran ebenfalls. Und zum Vergleich: Rufe ich von hier aus eine beliebige Nummer in Deutschland an, ganz gleich ob Fest- oder Mobilnetz, zahle ich dafür umgerechnet 0,25 € pro Minute. Werde ich angerufen, kostet mich das überhaupt nichts. SMS innerhalb des Landes liegen bei etwa einem bis zwei Cent pro Kurzmitteilung.
Wenn das Guthaben aufgebraucht ist, benötige ich eine Aufladekarte, die es in drei Farben – entsprechend den drei Beträgen – gibt. Zu erhalten sind die praktisch an jeder Straßenecke, vor den Erwerb hat die iranische Gesellschaft aber das Feilschen gestellt. Ein Beispiel: Die mittlere, blaue Karte hat einen Wert von 200.000 Rial. Zusammen mit den anfallenden 6 % Steuern müßte sie also 212.000 Rial kosten. Fakt ist, daß man sie praktisch nirgends zu diesem Preis erhalten wird. Mittlerweile bin ich so geübt, daß ich statt der oft geforderten 240.000 nur 220.000 Rial dafür zahle, wofür ich gelegentlich sogar von iranischen Bekannten anerkennende Blicke ernte…
Und das geht so: Ich teile dem Kioskbesitzer mit, daß ich eine blaue Taliya-Karte möchte. Er hält sie mir hin und fordert 24 Toman, was eigentlich 24.000 Toman sind, die wiederum 240.000 Rial entsprechen (mehr dazu vielleicht bei Gelegenheit…). Ich breche augenblicklich in lautes Wehklagen aus, lasse ihn wissen, daß der geforderte Preis viel zu hoch sei und strecke ihm meine bereits passend abgezählten 22.000 Toman entgegen. Der Kioskbesitzer erkennt meine recht klare Preisvorstellung und geht runter auf 23.500. Ich schüttle energisch den Kopf und signalisiere, daß ich diese Karten nicht zum ersten Mal kaufe und sehr wohl weiß, wie ein marktüblicher Preis aussieht. Er geht runter auf 23.000.
Jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Ich greife zur Karte und drücke ihm mein Bündel Scheine in die Hand. Er zählt nach und kommt zu dem Ergebnis, daß es nur 22.000 Toman sind. Ich bestätige das und teile ihm mit, daß er das Geld behalten oder seine Karte zurückhaben könne. In den allermeisten Fällen wird er mürrisch akzeptieren, von mir ein freundliches Dankeschön hören – und das war’s bis zum nächsten Mal.
Soviel dazu. Dieser Beitrag ist unter anderem auch deshalb ziemlich umfangreich geworden, weil ich vor meiner Abreise intensiv nach deutsch- oder englischsprachigen Informationen über die iranischen Mobilfunknetze gesucht habe, aber nicht viel finden konnte. Vielleicht helfen meine Hinweise ja künftigen Iran-Reisenden weiter. Wer gerade zu diesem Thema recherchiert und über eine Suchmaschine hierher gelangt ist, kann sich ja mal später mit seinen Erfahrungen bei den Kommentaren verewigen. Würde mich freuen!
Übrigens ist mir immer noch etwas schlecht vom gestrigen Schaf. Ich weiß ja nicht, ob Schafe (wie Katzen) mehrere Leben haben. Falls ja, dann kann das Rumoren in meinem Bauch nur bedeuten, daß meins gerade Wiederauferstehung feiert…




Hi Matthias, bin wirklich über goggel hier her gekommen und finde deine Seite spannend. Zumal ich für 2008 eine Gruppenreise in den Iran geplant habe. Ich werde jetzt wohl öfter hier mal vorbeischauen.
Gruß
Hi, ich hab die Seite auch über Google gefunden. Bei mir ist es etwas anders, ich bin in Iran zu Schule gegangen und habe dort studiert, lebe aber z.Z. in Deutschland.
Mein deutscher Blog: http://www.aus-iran.blogspot.com/
Mein farsi Blog: http://www.aaghaapesar.blogspot.com/
Schöner Blog mit interessanten Beiträgen. Leider nicht mehr so aktuell, oder warum schreibst Du nicht mehr?
Hey mate what’s your idea about adding a translator wg?
Nice blog…
Hallo,
gibt es im Iran HSDPA?
Wäre sehr praktisch wenn man im ganzen Land mobil surfen könnte.
Grüße
Der Blog ist mir auch sehr interessant. Ich glaube die iranische Sprache ist sehr schwierig zu lernen, oder? Sieht aber cool aus.
Teheran ist ja eine interessante touristische Destination.Finde die Seite eigentlich sehr interessant.Danke für all diese Infos.Weiter so!
Absolut schöne Seite,und ist wirklich sehr gut gestaltet!
Kompliment!!!
http://www.alexsafari.de