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Kalepache (کله پاچه) ist eines der Dinge, das die Menschheit ohne wenn und aber in zwei Lager teilt. Dazwischen gibt es nichts. Somit provoziert es ähnlich eindeutige Stellungnahmen wie beispielsweise Marzipan oder die Musik von Kate Bush, die ebenfalls wahlweise als Ausdruck höchster Sinnesfreuden oder als Beweis dafür gelten, daß der Höhepunkt der Zivilisation bereits vor langer Zeit erreicht wurde und wir uns alle wieder auf dem absteigenden Ast befinden.
Marzipan übrigens stammt aus dem vorderen Asien, vermutlich Persien, und gelangte von dort durch die Kreuzzüge im 13. Jahrhundert nach Europa. Im Laufe der letzten sieben Jahrhunderte wurde es hier seßhaft und wirkt in bestimmten nördlicheren Regionen mittlerweile sogar identitätsstiftend. Daß es Kalepache, das aus der gleichen Gegend stammt, im Laufe der kommenden Jahrhunderte irgendwann ähnlich ergehen wird, wage ich nach dem heutigen Erlebnis zu bezweifeln.
Die Geschichte begann eigentlich ganz harmlos: Ich war abends noch mit einem Freund unterwegs und plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir nicht noch eine Kleinigkeit essen sollten. Ich schlug spontan vor, etwas Traditionelles zu probieren und er meinte, daß er dafür den richtigen Ort kenne und dieser – oh Zufall! – nur ein paar Minuten entfernt sei. Ab diesem Moment nahm das Verhängnis seinen Lauf.
Was wir kurz darauf betraten war ein kleiner Laden, den man sich als Zwischending zwischen einem sehr einfachen Restaurant und einer Imbißbude vorstellen muß. Im vorderen Bereich, hinter einer Theke, stand der Betreiber und hatte vor sich einen sehr großen, etwa 15 Zentimeter hohen Topf. Dieser war zur Hälfte mit Öl gefüllt und enthielt drei Schafsköpfe. Wir nahmen direkt gegenüber Platz, mein Freund bestellte zwei Portionen Kalepache und meinte zu mir, daß wir in Kürze das Maximum dessen erreichen würden, was im Iran in traditionell-kulinarischer Hinsicht machbar sei…
Zunächst bekam jeder von uns einen Teller mit dem abgeschöpften Schafsfett und Öl, was gewürzt und mit Brot wie eine Suppe gegessen wurde. Für sich genommen bereits recht gehaltvoll, mit eigenwilliger Geschmacksnote und nicht unbedingt jedermanns Ding. Während wir löffelten, konnten wir zusehen, wie der Koch das Fleisch der drei Schafsköpfe mit seinen Fingern in langen Streifen herunterpopelte und auf Tellern verteilte. Das sollte unser zweiter Gang werden.
Schafskopffleisch, das noch kurz zuvor an dem von der Evolution bestimmten Ort war, sich aber plötzlich auf einem Teller wiederfindet, hat eine merkwürdige Konsistenz: etwas schmierig, streckenweise faserig und immer wieder versetzt mit kleinen Knötchen und Klümpchen, die einen unweigerlich denken lassen, das arme Tier mußte zusätzlich auch seine Mandeln hergeben. Genauso, wie es aussieht, schmeckt es auch.
Was soll ich sagen: Ich habe tapfer durchgehalten, Unmengen von Brot verbraucht und bis auf die wirklich ekligen Stellen alles aufgegessen. Hinterher war ich zwar etwas stolz auf mich, gleichzeitig war mir aber auch so schlecht, wie schon lange nicht mehr. Mein Bedarf an Traditionen sowie der Kalorienbedarf für die gesamte Woche sind jedenfalls erstmal gedeckt.




Die Geschichte war sehr unterhaltsam. Ihr Schreibstil macht viel Spaß. Das war eine ganz schöne Herausforderung für einen Vegetarier. Ich werde gerne weitere Geschichten lesen. Bin schon auf die Dias gespannt.
Liebe Grüße
Katherina B
[…] 08: Das Schweigen der Lämmer (1) […]
ich bin Medizinstudentin .Ich wolte gerade Pause machen .Ich wolte nict unbedingt essen ode trinken deswegen habe ich Internet als Abwechselung ausgesuct.Weil ich Keine bestimmte Ziel gehabt deswegen habe ich einfach als suchwort Teheran angegeben,dann aber deine Erlebniss im Iran .Zuerst es tut mir so leid Für Sie.zweitens konnte ich schon tot lachen,weil isch was anderes niht konnte.Aber trittens wolte ich dir sagen solche Sachen gibt es überall,zumbeispiel bei mir geht genau so schlecht wie bei dir ,wenn ich an leberwurst denke ,obwol dir sehr schmekt . Ich habe gleiche Erlebnisse in chinaresturant gehabt.Also ,es gibt Gewönheitsachen bei manschen Essen und Trinken und viel andere.
Ich lebe seit 22 Jahren in Deutschlan und jedes Jahr im Winter lade ich meine Freunde zu Kalepache
ein. Was bei kalleh-Patscheh wichtig ist,ist Zubreitung und Servieren.Haben Sie schon mal eine Wurstfabrik besichtigt? Wissen Sie wieviel % Leber in Leberwurst enthalten ist?
Ich lade Sie gerne zum Kalleh-Patscheh ein und Sie werden sehen, es schmeckt wirklich gut.
Andere Länder, andere Sitten.
Mit freundlichen Grüßen
Hallo Matthias,
vielen Dank für deinen überaus spannenden und gut geschriebenen Bericht. Die Lektüre war wirklich eine Freude
Elias