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زمستانم در تهران

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Sa
6
Jan '07

Ein Nachmittag im Park

Hallo & salam! Kann es sein, daß Du hier neu bist? Ich freue mich über Deinen Besuch...leg die Füße hoch, mach es Dir gemütlich und schau Dich in aller Ruhe um. Vielleicht hast Du ja Lust, neue Beiträge per RSS zu abonnieren, etwas persische Musik zu hören oder in meinen gedanklichen Ergüssen zu stöbern. Wenn Dir irgendetwas besonders gefällt (oder nicht gefällt), freue ich mich natürlich über einen Kommentar. Danke für Deinen Besuch und viel Spaß!

In Teheran gibt es hunderte von Parks in allen Größen. Wie bei uns auch, nutzen die Städter ihre Parks für Spaziergänge, Picknicks und zur allgemeinen Entspannung. Der Park-e Mellat (پارک ملت) ist einer der ganz großen und entsprechend wichtigen Parks und mit seinen stattlichen 340.000 m² Fläche ein gerne genutztes Naherholungsgebiet.

Vor ein paar Tagen schon hatte ich einer befreundeten Iranerin versprochen, von ihr draußen ein paar Fotos zu machen. Das nicht nur deshalb, weil Portraitaufnahmen im Freien immer einen ganz besonderen Reiz haben, sondern auch, nun ja, weil es Menschen gibt, die sich für solche Aufnahmen mehr oder weniger eignen – und sie definitiv zur ersten Gruppe gehört… Weil das Wetter heute gut zu werden versprach, hatten wir uns für den frühen Nachmittag am Meydun-e Vanak verabredet.

Ich bin daher nach der Uni direkt nach Hause gefahren, habe ein paar Kleinigkeiten eingekauft, die Fototasche gepackt und mich auf den Weg zum Treffpunkt gemacht. Wir waren uns schnell einig, daß ein Park die beste Kulisse bietet und uns zu Fuß in nördlicher Richtung zu besagtem Park-e Mellat auf den Weg gemacht. Da der Weg jedoch recht lang war, fing meine Begleiterin schnell an, nach einer Fahrmöglichkeit Ausschau zu halten.

Kurz darauf bestiegen wir einen PKW, der nach meiner bisherigen Erfahrung nicht unbedingt wie ein Taxi aussah. Dazu paßte, daß der Fahrer nach etwa zehnminütiger Fahrt kein Geld wollte, sondern uns bloß freundlich verabschiedete. Die Erklärung: Junge, attraktive Iranerinnen müssen in Teheran nicht unbedingt warten, bis ein Taxi kommt, sondern können aus einer deutlich größeren Fahrzeugpalette wählen. Im dichten, stockenden Verkehr reichen meist ein Kopfnicken und drei freundliche Worte, damit beide Seiten sich finden.

Im Park angekommen, hatten wir schnell eine geeignete Stelle gefunden. Ich habe also alles aufgebaut und wir haben die ersten Aufnahmen gemacht. Es dauerte etwa zehn Minuten, bis ein kleiner, rundlicher Parkwächter auf seinem Motorrad angerollt kam und uns erklärte, daß Filmaufnahmen an genau dieser Stelle verboten seien. Vermutlich hängt es mit der doch recht imposanten Größe der Kamera zusammen, daß viele Zuschauer zunächst an Film- und nicht an Fotoaufnahmen denken.

Wir haben ihn also aufgeklärt, daß es uns nur um Fotos geht – und da er eher von der gemütlichen Truppe zu sein schien, wollte er sich wohl nicht die Mühe machen, extra von seinem Motorrad abzusteigen und nachzuschauen, sondern ließ es zunächst dabei bewenden. Kurz darauf war er allerdings wieder da und ließ uns wissen, daß Aufnahmen an dieser Stelle generell nicht gestattet wären, weil im Hintergrund ein Ministerium sei. Da die riesigen Satellitenschüsseln und Funkmasten sich beim besten Willen nicht wegdiskutieren ließen, hatte er die Fakten auf seiner Seite und wir zogen weiter.

Auf dem Weg ins Parkinnere kamen wir an einem See vorbei, dessen Oberfläche komplett gefroren zu sein schien. Meine Begleiterin erklärte überzeugend, daß sie es in solchen Situationen prinzipiell nicht bei einer Sichtprüfung belassen könne, sondern eine genauere Prüfung der Eisdecke geboten sei. Sprich: In den See mußte was rein. Jetzt könnte man ja glauben, daß es in einem Park schwierig wäre, auf Anhieb Steine oder ähnliches zu finden. Nicht in Teheran. Man muß wissen, daß ganz Teheran sich – zumindest ist das mein in zwei Wochen gewonnener Eindruck – in einem permanenten Bauzustand befindet. An allen Ecken werden Baumaterialien zwischen- und dauergelagert. Und gerade an griffigen Steinen scheint überall im Stadtgebiet großer Bedarf zu bestehen. Wie praktisch, daß keine zehn Meter entfernt von uns ein Haufen mit wurfgerechten Ziegelsteinen war.

Die folgende Situation muß man sich etwa wie folgt vorstellen: Meine Begleiterin steht am Seeufer, in beiden Händen je einen handlichen Ziegelstein. Ich bin etwa zwei Meter entfernt, um den kommenden, magischen Moment im Bild festzuhalten. Sie holt aus und schmeißt beide Steine mit ziemlicher Wucht in den See. Genau in diesem Augenblick rutscht ihr Kopftuch herunter, ich löse aus – und ein paar Soldaten kommen um die Ecke. Wir waren wohl alle ziemlich überrascht, was aber angesichts der rasanten Häufung der Ereignisse und der für alle Beteiligten deutlich wahrnehmbaren Krümmung im Raum-Zeit-Kontinuum kein Wunder war. Jedenfalls konnten wir uns allesamt ein kleines Lachen nicht verkneifen.

Um den Rest des Nachmittags etwas ruhiger angehen zu lassen, suchten wir uns eine im Grünen gelegene Parkbank und setzten die Aufnahmen dort fort. Nach etwa einer Viertelstunde kamen zwei Sittenwächter vorbei und ermahnten meine Begleiterin, die Kleiderordnung wiederherzustellen, da ihr Kopftuch doch inzwischen ziemlich weit hinten saß. Sittenwächter im Iran muß man sich in etwa wie Zeugen Jehovas bei uns vorstellen. Nur mit Bart und mit viel mehr Macht. Sie treten in der Regel mindestens zu zweit auf und sind so auffällig unauffällig gekleidet, daß auch Fremde sie mit etwas Übung häufig erkennen. In diesem Fall waren sie weder freundlich noch unfreundlich, sondern von einer solch fordernden Direktheit, daß jede Diskussion überflüssig war. Wir setzten die Aufnahmen also mit einem geringfügig korrigierten Kopftuch fort.

Alles in allem dauerten unsere Aufnahmen etwa drei Stunden. Anschließend waren wir beide ordentlich durchgefroren, gingen einen Kaffee trinken und diskutierten über die Schönheit indischer Filme und das musikalische Talent von A. R. Rahman unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wie er es wohl schafft, trotz seinem gewaltigen Talent und kommerziellen Erfolg derart bescheiden und sympathisch zu bleiben.

Eine Antwort zu “Ein Nachmittag im Park”

  1. Chibcha schreibt:

    Um meinen Senf dazu zu geben, bedürfte es erst einer Wurst. 2007 war ich schon nach einem Daueraufenthalt - von 1994 bis 2000 - sieben Jahre weg von Tehran. So romatisch wie Saitam habe ich den Iran nur an den historischen Stellen erlebt. Meine Erlebnisse mit den Menschen erschöpfte sich in Ketman.
    Chibcha.

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