Seit drei Tagen versuche ich jetzt schon, an eine Aufnahme von meinem Fernsehauftritt heranzukommen, hatte aber bislang nicht viel Erfolg. Eine Freundin hatte mir die Nummer einer Teheraner Firma gegeben, die Mitschnitte von Fernsehsendungen verkauft. Nach mehreren Telefonaten weiß ich jetzt, daß dort grundsätzlich keine Nachrichtensendungen archiviert werden. Ich bleibe trotzdem dran, vielleicht findet sich ein anderer Weg.
Heute Nachmittag war ich erneut bei der Bauernfamilie, die ich am 27. Dezember kennengelernt hatte. Wir haben zusammen gesessen, gegessen, geredet – und ich mußte einen Nescafé trinken. Der Iraner an sich ist bekanntlich Teetrinker, so daß große Teile der Bevölkerung nur selten mit Bohnengebräu in Berührung kommen. Das führt zwangsläufig dazu, daß die dortige Vorstellung über die Beschaffenheit eines Kaffees deutlich von der unseren abweicht.
Einen iranischen Nescafé muß man sich etwa folgendermaßen vorstellen: Man nimmt eine kleine Tasse (Fassungsvermögen gefühlte fünf bis zehn cl) und füllt sie mit einem Teelöffel Fertigkaffeepulver, zwei Teelöffeln Zucker und ungefähr der gleichen Menge Milch. Anschließend wird bis oben mit heißem Wasser aufgefüllt. Das Ergebnis ist eine hellbraune, eklig-süße Suppe, die den Namen Kaffee nicht wirklich verdient und als größten Pluspunkt verzeichnen kann, daß die Tasse so klein und das Elend so kurz ist.
Andererseits – und da schließt sich der Kreis wieder – würde ich Nescafé auch in Deutschland nicht als Kaffee bezeichnen. Ich glaube, wenn Kaffeetrinker freiwillig zu Nescafé greifen, ist das in etwa so, wie wenn überzeugte Raucher sich für einen zusätzlichen Kick Nikotinpflaster verpassen. Deshalb kann es eigentlich nur eine logische Erklärung geben: Nestlé gehört der Teemafia und die hat damit ein sehr wirksames Werkzeug an der Hand, um den Kaffee-Schwellenländern gleich von vorneherein die Lust auf mehr zu vermiesen. Denkt mal drüber nach…
Im Iran ist Fertigkaffee verhältnismäßig teuer. Deshalb sollte man es als Ausdruck der Wertschätzung betrachten, wenn einem dergleichen angeboten wird, ihn lobend trinken und anschließend artig danke sagen. Und sich am besten währenddessen einen guten Grund überlegen, mit dem man die zweite Tasse ablehnen kann, ohne daß es komisch wirkt…
Abends war ich alleine zuhause, habe schnell die Hausaufgaben gemacht, hatte dann aber keine Lust, in der Wohnung zu sitzen. Deshalb habe ich die Fotoausrüstung gepackt und mich zu Fuß auf den Weg gemacht. Sehenswertes gibt es schließlich an jeder zweiten Ecke.




Die Tee oder Kaffee Frage habe ich mir auch schon stellen müssen. Da habe ich eine Ägypten Rundreise gemacht. Wenn du mal nach Ägypten reist, dann entscheide dich lieber für Tee. Der Kaffee dort haut einen um!