Man könnte ja meinen, daß eine Großstadt mit geschätzten 14 Millionen Einwohnern auch über ein entsprechend ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz verfügen müßte. In Teheran sieht die Praxis anders aus.
Herzstück der Personenbeförderung ist das Taxi, das entweder als Sammel- oder Einzeltaxi daherkommt und meistens aus einem klapperigen und betagten Modell der Baureihe Paykan besteht. Der Paykan ist ein Modell des iranischen Herstellers Iran Khodro, basiert auf dem britischen Hillman Hunter und wurde nahezu vierzig Jahre lang gebaut. Obwohl er inzwischen durch den deutlich moderneren und gefälligeren Samand abgelöst wurde, ist er nach wie vor das häufigste Automobil auf Teherans Straßen.
Sammeltaxis nehmen in der Regel vier Personen mit (eine vorne und drei hinten) und verkehren zwischen allen großen Plätzen oder Straßen. Sie sind spottbillig, kosten nur Pfennige und es gibt keine Geschlechtertrennung. Das heißt, sowohl Frauen als auch Männer nutzen diese Fahrmöglichkeit gemeinsam. Bei anderen Strecken vereinbart der Individualreisende mit dem Fahrer einen individuellen Preis. Selbst größere Distanzen innerhalb Teherans sollten aber nicht mehr als 4.000 oder 5.000 Toman kosten, was über den Daumen vier oder fünf Euro entspricht.
Weitere Beförderungsmöglichkeiten sind der Linienbus, der noch billiger als das Sammeltaxi, aber fast immer überfüllt ist. Dort fahren Frauen im hinteren Bereich mit, von den gefährlichen Männern durch eine Stange getrennt. Und natürlich die U-Bahn. Die Teheraner Metro hat zwar nur wenige Linien und wird von der Bevölkerung noch nicht recht angenommen. Wenn man sich die anderen Beförderungsmittel anschaut, wirkt sie aber wie von einem anderen Stern. Sie ist nicht nur nagelneu, sondern auch technisch auf dem neuesten Stand. An den marmorgetäfelten Stationen hängen überall Flachbildschirme für Informationen und Werbung. Die Wagons sind sauber und aufgeräumt und kurz vor jeder Haltestelle ertönt eine kleine Musik bevor der Name der Haltestelle durchgesagt wird. Trotzdem ist sie mit 100 Toman (etwa 0,10 €) aus unserer Sicht spottbillig. Die ersten beiden Wagen sind ausschließlich für Frauen vorgesehen, allerdings können Frauen auch alle anderen Wagen benutzen. Alles in allem wirklich wie von einem anderen Stern und ein krasser Kontrast zu den sonstigen Teheraner Beförderungsmöglichkeiten.
Um das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen, ist es seit einiger Zeit so, daß ähnlich wie in anderen Städten abhängig vom Nummernschild nur noch bestimmte PKWs in bestimmte Teheraner Bezirke fahren dürfen. Da das allerdings nicht für Motorräder gilt, haben viele Teheraner zusätzlich zum Auto auch noch ein Motorrad. Um die zweiradbasierenden Straftaten einzudämmen, erlaubt die Stadtverwaltung keine Motorräder mit mehr als 125 ccm, was zum wirklich schnellen Fahren zu wenig, zum Lärm machen und Stinken aber allemal genug ist.




Kleiner Nachtrag: Glaubwürdige Quellen haben mir versichert, daß das Hubraum-Limit für Motorräder 250 ccm betragen soll.
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