Um es gleich vorwegzunehmen: Beides gibt es im Iran – und zwar in reichlichen Mengen…
Direkt bei meiner Ankunft bekam ich Wodka angeboten, der, wenn ich die Geschichte richtig verstanden habe, von einem Armenier in 20-Liter-Fässern über die Grenze geschafft wird. Und auch ansonsten ist es – die richtigen Kontakte vorausgesetzt – kein Problem, an Bier, Wein, Schnaps und andere Alkoholika zu kommen. Allerdings in der Regel auch zu recht stattlichen Preisen. Offiziell ist Alkohol natürlich nach wie vor verboten, weshalb es in den Geschäften eine Menge Getränke gibt, die wie Alkohol aussehen, aber natürlich alles andere sind.
Was das weibliche Geschlecht betrifft, ist es so, daß die iranischen Sittenwächter eigentlich streng darüber wachen, daß Männlein und Weiblein strikt getrennt sind und daß beide in der Öffentlichkeit keinesfalls zusammenkommen. Eigentlich. In der Praxis sieht es so aus, daß der Iran im mittleren Osten vermutlich das islamisch geprägte Land mit dem höchsten Anteil weiblicher Studenten ist (etwa 50 %, wenn ich richtig informiert bin) und über eine dementsprechend selbstbewußt auftretende weibliche Mittelschicht verfügt.
Das bedeutet nicht nur, daß das in der Öffentlichkeit zwingend vorgeschriebene Kopftuch mehr die Funktion eines Modeaccessoirs erfüllt und von den jüngeren Damen, gerne auch in schrilleren Farben, am Hinterkopf getragen wird. Auch Makeup und Designerschmuck sind in verschiedenen Kreisen geradezu zwingend vorgeschrieben. So teilt sich dann auch der weibliche Teil der Gesellschaft in zwei Lager: Zum einen die deutlich westlich geprägten Mädchen und Frauen mit modischer Kleidung, Makeup und Schmuck – die ohne das Kopftuch in keinem westlichen Land auffallen würden. Und zum anderen die komplett in schwarz gehüllten Gestalten, die man aus den Medien eher kennt, die aber zumindest in Teheran eine Minderheit sind.
Selbstbewußtsein und hoher Bildungsstand führen dann auch dazu, daß eben jene Damen nicht mehr unbedingt warten, bis sie von den Eltern einen Partner vorgestellt bekommen, sondern durchaus aktiv selber auf die Suche gehen. Allerdings – und das ist eine der negativen Seiten dieser Geschichte – habe ich noch kein Land oder keine Gesellschaft erlebt, in der man sich derart über materielle Dinge definiert, wie es im Iran der Fall ist. Ganz gleich, ob es um Autos, Kleidung oder technische Geräte geht, die erste Frage ist immer die nach dem Preis. Wer viel hat, hat in der Teheraner Gesellschaft automatisch auch viele Freunde und Bekannte. Wer ein neues Auto hat, ist gut dran, wer beispielsweise sogar ein deutsches Auto fährt, hat es wirklich zu etwas gebracht und leidet mit Sicherheit nicht mehr unter Einsamkeit.
So kommt es, daß junge Damen sich sehr wohl überlegen, auf wen sie aktiv zugehen. Sollten die auf den ersten Blick erkennbaren Statussymbole nicht auch einen entsprechenden finanziellen Hintergrund vermuten lassen, dann wird es in der Regel nicht zu einem Annäherungsversuch kommen.
Der könnte beispielsweise so ablaufen: Während der Autofahrt befindet sich auf gleicher Höhe ein Fahrzeug mit zwei oder mehr jungen Damen, die eindeutige Signale aussenden. Wenn im eigenen Fahrzeug Interesse am Kennenlernen besteht, kann es durchaus sein, daß man bei laufender Fahrt durch das offene Fenster Telefonnummern austauscht. Das geht schnell und kann von den Sittenwächtern wenig bis überhaupt nicht kontrolliert werden.
Insgesamt hat sich die Teheraner Jugend durchaus ihre Freiräume geschaffen, die durch die Sittenwächter schwer einsehbar sind. Angesichts der vielen Zwänge ringsherum ist das auf jeden Fall erfreulich. Wünschenswert wäre lediglich, daß man irgendwann erkennt, daß es außer den materiellen auch noch andere Werte gibt.




Aha! Der alde Frauenaufreißer wieder in Aktion!
Kämpfe mich heute erstmals durch deinen Blog, Don Saitam Juan, und amüsiere mich bereits köstlich. Fehlt nur noch Popcorn (nur so aus Klischee-Gründen) und BILDER oder genauer FOTOS!!! Wo sind die? Nutzt jemand wie du, der IT-technisch immer up2date ist, ein Blog-Tool ohne Grafik-Einbindungsmöglichkeiten oder sparst du dir das wegen einer zu schmalen Bandbreite?
as-salāmu ʿalaik (ok, is arabisch. Quiz-Frage: Wie heißts auf persisch?)
Fotos gibt’s reichlich, allerdings nicht digital, sondern ganz klassisch auf Film. Denn: digital ist uncool!
Ich bin mit drei Kameras und etwa 16 kg Fotogepäck unterwegs, so daß ich doch das eine oder andere Sehenswerte zeigen kann. Allerdings erst, wenn ich wieder in Frankfurt bin. Dann heißt’s nämlich: Entwickeln, Digitalisieren, Überarbeiten und ins Netz stellen.
Mehr dazu hier in etwa zwei Wochen…
Ich finde deinen Blog über meine Heimatstadt sehr amüsant und hoffe, dass du das geordnete teheraner Chaos positiv aufgenommen hast. Wo sind die angekündigte Bilder?