Weil der Iraner ernährungstechnisch schon zum Tier tendiert, ist das Leben als Vegetarier etwas gewöhnungsbedürftig. Irgendwann in den nächsten Tagen will ich die sagenumwobene vegetarische Pizza probieren, die immer wieder mal angeboten wird und vor der ich überall gewarnt wurde.
Das wird wettgemacht durch die Gastfreundlichkeit der Iraner, von der man auch ansonsten immer wieder hört. Nicht nur, daß alle extrem hilfsbereit und nett sind, es ist auch sehr einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Selbst dann, wenn man wie ich nur drei Brocken persisch kann. Egal, ob ich bis jetzt mit Taxifahrern, Soldaten oder Leuten auf der Straße gesprochen habe: alles sehr freundlich und interessant.
Heute abend war ich am Azadi-Platz und habe trotz Dunkelheit das sehr schön beleuchtete Wahrzeichen Teherans fotografiert. Der Platz ist riesig, komplett von fünf oder sechs Spuren Autoverkehr umgeben, es ist laut und stinkt - und trotzdem ist es ein sehr schöner Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte. Der Azadi-Turm ist zwar weniger hoch, als ich mir vorgestellt hatte, aber dennoch extrem schön. Irgendwann nächste Woche komme ich tagsüber wieder und gehe nach oben (der Azadi-Turm ist begehbar).
Nicht nur dort, sondern auch an allen anderen Plätzen Teherans hätte die deutsche Bauaufsicht übrigens ihre helle Freude. Daß Bürgersteige immer wieder durch halbmetertiefe Löcher unterbrochen sind, die man bei Nacht (mangels Beleuchtung) erst in letzter Sekunde erkennt, ist die eine Sache. Noch lustiger ist, daß auch in den Kaufhäusern überall Ecken und Kanten hervorstehen und abisolierte Stromkabel aus der Wand schauen. In Wohnbereichen scheint es unbekannt zu sein, daß Stromleitungen auch geerdet werden können. Nach einem FI-Schutzschalter im Bad habe ich gar nicht erst gesucht…
Es passiert zwar schon jetzt viel (insbesondere Gasunfälle sind in vielen Regionen üblich) - es ist aber ein Wunder, daß nicht noch mehr passiert… Entweder machen die Schutzengel hier Überstunden oder es fällt nicht auf, wenn ein paar Teheraner fehlen.
Zum Autoverkehr hatte ich ja schon kurz was geschrieben: Chaotisch, laut und undurchschaubar. Eigentlich genau wie in Offenbach, bloß größer. Mein Entschluß, hier selber zu fahren, steht nach wie vor fest und ich will nächste Woche versuchen, an ein Auto zu kommen.




Hallo Herrn Fenzke,
während Sie sich durch den gewöhnungsbedürftigen Straßenverkehr in Teheran kämpfen, mühe ich mich mit der frisch gerupften Gans ab, die morgen bei uns in den Ofen geschoben wird und vor sich hin schmurgelt, während wir uns auf dem Römerberg vom Frankfurter Stadtgeläut in Weihnachtsstimmung versetzen lassen.
Weiterhin gute Erfolge - beim Autofahren, Vegi-Pizza essen und Ihren Studien - und herzliche Grüße aus der Heimat von Maren Wieß
Hallo Herr Fenzke,
ich weiß ja, dass Sie als Vegetariar nichts von dem Gans-Essen halten. Aber ich freue mich d`rauf.
Sicherlich schmausen Sie morgen Ihre Vegi-Pizza. Guten Apo.
Herzliche Grüße
Karl H. Wieß
Hallo lieber Matthias,
ich finde es einfach klasse, dass wir Dich ein Stueck des (Urlaubs-)Wegs begleiten duerfen. Es macht Spass, Deine amuesanten Ausfuehrungen zu verfolgen. Was mir noch fehlt ist: WAS MACHT DER SPRACHKURS?
Herzliche Gruesse aus Bernem Angela